Willkommen
auf der Website zur Geschichte der
Familie Muhr
Herzlich willkommen auf der Homepage der Familie Muhr
Die Geschichte unserer Familie ist durch ihre jüdischen Wurzeln geprägt. Über Ungarn und Österreich kam die Familie Mitte des 18. Jahrhunderts nach Berlin. Von dort zog unser gemeinsamer Vorfahre Abraham Muhr später nach Pleß in Oberschlesien (heute Pszczyna in Polen), wo er sich zeitlebens für die Emanzipation der Juden in Schlesien einsetzte. In Anerkennung seiner Verdienste widmete ihm Markus Brann die Schrift „Abraham Muhr – Ein Lebensbild und ein Beitrag zur Geschichte der Juden in Schlesien“, die erstmals im Jüdischen Volks- und Hauskalender für das Jahr 1891 erschien.
Auch unsere Familie war von den gewaltigen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen des 19. und 20. Jahrhunderts betroffen. Der Nationalsozialismus zwang viele Familienmitglieder zur Emigration. Nicht allen gelang die Flucht rechtzeitig – viele wurden im Holocaust ermordet.
Intensive – im Jahr 2019 begonnene – Forschung ermöglichte es uns, fast alle Nachkommen von Abraham Muhr zu finden und zu kontaktieren. Sie leben heute in Australien, Brasilien, den USA, England, Frankreich, Israel und Deutschland. Viele Familienmitglieder haben sich so wiedergefunden und pflegen Kontakt miteinander.
Unsere Vorfahren haben viele Dokumente, Gemälde, Fotografien und persönliche Geschichten hinterlassen, die bis heute erhalten und Zeugnis unserer Familiengeschichte sind. Hierfür haben wir ein Familienarchiv geschaffen, aus dem sich diese Homepage speist. Sie soll die Erinnerungen an die Lebenswege, den Lebenswillen und das Vermächtnis unserer Vorfahren wachhalten und ihre Geschichten, für die heute über die ganze Welt verstreuten Nachfahren, bewahren.
Eine besondere Rolle spielt für uns der jüdische Friedhof in Pleß in Oberschlesien (Cmentarz żydowski w Pszczynie), da sich dort die Grabsteine von Abraham Muhr und seiner Ehefrau Helene und auch die Grabsteine weiterer Vorfahren befinden. Der heutige Hüter und Bewahrer des Friedhofs ist Dr. Sławomir Pastuszka. Ihm verdanken wir sehr viel.
Auch zahlreiche Institutionen haben unsere Familienforschungen unterstützt. Unser besonderer Dank gilt den engagierten und hilfsbereiten Angestellten der Archive in Deutschland und Polen. Exemplarisch danken wir Frau Ulrike Neuwirth vom Jüdischen Museum Berlin. Sie stellte die Verbindung und den persönlichen Kontakt zu unserer ältesten Muhr-Nachfahrin her. Renate Muhr Langeani wurde 1929 in Görlitz geboren; seit 1938 lebt sie in Brasilien.
Abraham Muhr - Jerubaal
Abraham Muhr wurde 1781 in Berlin geboren und wuchs dort als Kind einer gebildeten jüdischen Familie auf. Der Verlobungsvertrag seines Vaters wurde von keinem Geringeren als Moses Mendelssohn unterzeichnet.
Abraham Muhr arbeitete zunächst als Hauslehrer in Lettland und Galizien, bevor er1806 als Erzieher nach Pleß in Oberschlesien, heute Pszczyna in Polen, kam. Dort heiratete er Helene Plessner, mit der er neun Kinder bekam. Im florierenden Handelsunternehmen seines Schwiegervaters wurde er ein erfolgreicher Kaufmann. Unter anderem arbeitete er für den Fürsten von Pleß. Im Laufe der Jahre nahm er sowohl im öffentlichen als auch im gesellschaftlichen Leben der lebendigen Residenz- und Garnisonsstadt eine bedeutende Stellung ein. Viele Jahre gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an, zeitweise auch als ihr Vorsitzender.
Eine herausragende Rolle spielte Abraham Muhr bei den jüdischen Gemeinden Oberschlesiens. Er initiierte nicht nur den Bau der Synagoge in Pleß, sondern setzte sich auch intensiv für die Bildung und die Gleichstellung der Juden ein. Ebenso wichtig waren ihm religiöse Reformen. Hierzu verfasste er die viel beachtete Schrift „Jerubaal“ *. So wurde er zu einem engagierten Vertreter der jüdischen Aufklärungs- und Emanzipationsbewegung in Preußen und sprach sogar persönlich beim König von Preußen vor. Mit dem Edikt von 1813 erhielten die Juden schließlich die Bürgerrechte, für die er lange gekämpft hatte. In den jüdischen Gemeinden wurde er „König der Juden von Oberschlesien“ genannt.
Abraham Muhr fiel 1847 der verheerenden oberschlesischen Typhusepidemie zum Opfer. Sein Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Pszczyna in Polen.
Julius Muhr
Julius Muhr war der jüngste Sohn von Abraham Muhr und ein deutscher Maler der Romantik. Er wurde 1819 in Pleß in Oberschlesien, heute Pszczyna in Polen, geboren. Sein Vater war ein damals bekannter Vertreter der jüdischen Reformations- und Emanzipationsbewegung, der als „König der Juden von Oberschlesien“ bekannt wurde.
Bereits mit 13 Jahren ging Julius Muhr zum Studium nach Berlin auf die Königliche Akademie der Künste. Bei Peter von Cornelius in München setzte er seine Studien fort. Auf der 31. Kunstausstellung der Akademie in Berlin stellte er 1839 sein erstes großes Gemälde aus. Mit Wilhelm von Kaulbach schuf er im Treppenhaus des Neuen Museums in Berlin sechs riesige Gemälde, die die klassische Sicht der Weltgeschichte darstellten.
Als Julius Muhr später fünf Jahre in Rom weilte, war er Mitglied im Deutschen Künstlerverein. Hier saßen ihm u. a. der Papst, Kardinäle, Adlige und andere Würdenträger Modell. Er stand in engem Kontakt mit Malern wie Arnold Böcklin und Moritz von Schwind, dem Bildhauer Reinhold Begas und dem späteren Nobelpreisträger für Literatur Paul Heyse. Auf Ludwig Passinis Gemälde des berühmten Caffè Greco nahe der Spanischen Treppe in Rom und auch in einem Gemälde von Wilhelm von Kaulbach ist auch Julius Muhr zu sehen.
Zurück in Deutschland konvertierte Julius Muhr, mit Paul Heyse als Taufpaten, zum Christentum, um Mathilde von Colomb zu heiraten, mit der er schon lange heimlich verlobt war. Sie war eine Cousine der Humboldt Brüder und eine Nichte der Frau von Feldmarschall von Blücher.
In einem von Dora Seemann, sie war die Ehefrau eines Ururenkels von Abraham Muhr, verfassten Lebensbild über Julius Muhr sind viele seiner Werke abgebildet. Diese Schrift wurde digitalisiert und ist über die Universität Frankfurt a. M. abrufbar *. Seine Gemälde hängen in Museen in Deutschland, der Schweiz, in Tschechien, in Polen und in den USA.
Julius Muhr starb viel zu früh im Jahr 1865 im Alter von 45 Jahren. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Münchner Südfriedhof. Zwei Tage vor seinem Tod war er noch zum Direktor der Schack Galerie in München berufen worden.
Julius Muhr: ein Lebensbild –
https://publikationen.ub.uni-frankfurt.de/frontdoor/index/index/docId/95734
Franz Landsberger - Beuthen (Bytom)
Franz Landsberger wurde 1854 in Löwenberg, heute Lwówek Śląski in Polen, als jüngstes Kind von Dorothea, geborene Muhr, und Meyer Landsberger geboren. Er hatte 4 Geschwister und war eines von 23 Enkelkindern von Abraham und Helene Muhr.
Der Ort Löwenberg wurde im Jahr 1852 durch das Engagement des Fürsten Friedrich Wilhelm Constantin von Hohenzollern-Hechingen zu einem musikalischen Zentrum. Die Bevölkerung wurde ausdrücklich aufgefordert, an Aufführungen teilzunehmen, was die Eltern von Franz auch taten. Der bekannte Violinist Julius G. Stern wurde so zu einem Freund der Familie und dieser entdeckte und förderte die musikalische Begabung des jüngsten Sohnes. Bei den Aufführungen im Fürstlichen Schloss durfte Franz bei den Orchestermusikern sitzen und die Legende besagt, dass sogar Richard Wagner mit ihm gesprochen hat. Allerdings konnte sich sein Vater, Inhaber einer Destillerie, in dieser Zeit nicht vorstellen, dass der Beruf des Violinisten auf Dauer genügend Sicherheit für ein Leben brachte. So entschied er, Franz nach Brieg aufs Gymnasium zu schicken. Diese Art der höheren Bildung lag ihm gar nicht, so dass man ihn später den Beruf eines Goldschmiedes erlernen ließ, und dieser im Anschluss daran auf Wanderschaft ging.
Seinem älteren Bruder Adolf hingegen lag der Umgang mit Zahlen sehr. Er leitete bereits in jungen Jahren sehr erfolgreich eine Bank in Kattowitz, heute Katowice in Polen. Adolf benötigte Mitte der 1870er Jahre dringend mehr Mitarbeiter. So beendete sein Bruder Franz seine Wanderschaft und kam nach Kattowitz, wo Adolf ihm beibrachte, was einen erfolgreichen Bankier ausmachte. Franz zog später nach Beuthen, heute Bytom in Polen, wurde Direktor der Oberschlesischen Bank, später der Dresdner Bank.
Zudem trug er über viele Jahre den Titel Handelsgerichtsrat, ernannt von Kaiser Wilhelm II..
Seine Liebe zur Musik erlosch jedoch nie, er spielte im häuslichen Kreis und in einem selbst gegründeten Quartett, welches in Beuthen sehr bekannt war. Darüber hinaus er tat sich mit anderen Musikenthusiasten zusammen, um ein Stadttheater, das zugleich als Konzerthaus genutzt werden sollte, in Beuthen zu errichten. Dessen Eröffnung erfolgte nach knapp 2-jähriger Bauzeit im Jahr 1901 und entwickelte sich zu einem sehr erfolgreichen Opernhaus, in dem auch viele auswärtige Ensemble und Sänger auftraten. Franz Landsberger starb im Alter von 72 Jahren im Jahr 1925.

Im Jahr 2024 fand die Wiedereröffnung des Opernhauses, heute Opera Śląska, nach einem verheerenden Brand im Jahr 2000 im Beisein der Nachfahren von Franz Landsberger statt. Es wurde zudem eine Kopie der Platte aus dem Jahr 1925 zur Erinnerung an Franz Landsberger angebracht, die die Nazis entfernt hatten und dessen Original bis heute verschwunden ist. Ebenfalls erschien ein umfangreiches Buch zur Geschichte der Oper und zum Leben und Wirken von Franz Landsberger – „Vom Theater zur Schlesischen Oper – Franz Landsbergers visionäre Mission“ von Izabella Kühnel u.a..
Während die Kinder und Enkel von Franz Landsberger rechtzeitig aus Deutschland fliehen konnten und so den Holocaust überlebten, wurde seine Ehefrau Sabine Landsberger, geborene Zerkowski, im Jahr 1943 in Sobibor im Alter von fast 83 Jahren ermordet.